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Presse | Altstadt-Charme statt Auto-Boom

Altstadt-Charme statt Auto-Boom

Kirchheimbolanden: Die Sanierung der Altstadt rund um den Römerplatz ist offiziell abgeschlossen. Auf jeden öffentlich investierten Euro kamen vier Euro für private Vorhaben. Dass es die Kerchemer Altstadt in dieser Form noch gibt, Ist sowieso ein Glücksfall: Pläne der 1970er Jahre sahen großflächig Abrisse für neue Straßen vor.

Von Barbara Till

1985 wurde das Sanierungsgebiet ausgewiesen, das im Wesentlichen das Herz der Altstadt rund um den späteren Römerplatz umfasste. Viermal wurde das Gebiet im Lauf der Jahre erweitert, etwa um den Bereich des heutigen Parkdecks. Von 44 Millionen, die zwischen 1985 und 2012 investiert wurden, blieben die Ausgaben für die Stadt mit 2,3 Millionen Euro überschaubar; Bund und Land schossen über Fördermittel weitere 6,4 Millionen Euro zu, das machte zusammen 8,7 Millionen Euro. Viermal so viel aber, nämlich 35,3 Millionen Euro, investierten Private. „Für die Stadt und Region war die Sanierungsmaßnahme ein hervorragendes Investitionsprogramm“, heißt es denn auch in einer druckfrischen Broschüre, mit der die Stadt Kirchheimbolanden den Abschluss dieses Sanierungsgebietes dokumentiert und auch ein wenig feiert.

Die Sanierung war, wie man im Rückblick auf die 1970er Jahre folgern kann, auch ein Rettungsprogramm für die Altstadt. Denn ihr einmaliges, vom Barock geprägtes Bild blieb nicht nur weitgehend erhalten, sondern wurde attraktiv aufgewertet. Wohnen und Arbeiten hinter alten wie neuen Gemäuern wurden angenehmer, Fußgängerzone und kleine Plätze trugen fortan auch zeitgemäßem Lebensgefühl Rechnung. Es hätte diese Altstadt womöglich in den 1980er Jahren in weiten Teilen nicht mehr gegeben, wäre der sogenannte Imlau-Plan Wirklichkeit geworden. Etliche Häuser hätten weichen müssen, um dem Verkehr „freie Fahrt“ zu geben. Denn das Imlau’sche Konzept sah zwei Straßenringe vor, von denen einer die mittelalterliche Altstadt durchschnitt. Die Stadt hatte bereits einige Gebäude aufgekauft, um sie für diese Straßen abreißen zu lassen. Bei einigen – wie dem Bornschen Haus in der Schloßstraße – geschah das auch. Andererseits, so heißt es in der Broschüre „Kirchheimbolanden im Wandel – Die Stadtsanierung 1985-2012“ – befand sich ein Gutteil dieser Häuser in einem schlechten Zustand, der an die baufälligen Innenstädte der DDR erinnerte.

Die „Modernität“ von Kirchheimbolanden sollte sich aber auch in einer gesichtslosen neuen Bebauung in Nachbarschaft großräumiger Parkflächen artikulieren. „Kirchheimbolanden“, so folgert Architekt Reiner Meysel, der für das Darmstädter Büro Rittmannsperger und Partner seit fast 20 Jahren die Stadtsanierung betreut, „hätte wie viele andere Städte in dieser Zeit seine Identität verloren. Da ist ein Kelch an der Kleinen Residenz vorübergegangen.“

Breiterer Widerstand gegen diese Pläne, so heißt es, regte sich – von Ausnahmen abgesehen – recht spät. Aber für die meisten Gebäude und anderen Schätze der Altstadt zum Glück nicht zu spät. Mit Wiederaufbau und Sanierung der Stadtmauer, die der staatlich geförderten Stadtsanierung voranging, änderte sich auch das Bewusstsein für Kirchheimbolandens Erbe. Und brachte neue, verträglichere Lösungen hervor. Mehr Parkplätze waren nötig, doch sie mussten nicht flächenraubend angelegt, sondern konnten unter die Erde wie am Römerplatz oder effektiv und zudem architektonisch ansprechend in der Höhe gestapelt werden. Mit seinem vom Verkehrsverein initiierten Umlagemodell für gebührenfreies Parken wurde das Parkdeck außerdem zum bundesweiten Vorbild. Stadtbürgermeister Klaus Hartmüller nennt es als ein Beispiel, wie auch der Einzelhandel von der Stadtsanierung profitieren sollte.

Ein Schlusspunkt ist mit dem Ende des Sanierungsgebiets Altstadt nicht gesetzt, im Gegenteil: Mit der oberen Altstadt wartet bereits eine neue Herausforderung. Dieses Gebiet, erläutert Meysel, werde sich an das bisherige Sanierungsgebiet anschließen, mit seinen Grenzziehungen in Neumayer- und Teilen der Breitstraße sowie der Liebfrauenstraße andererseits aber deutlich größer sein als dieses. Mit dem zweiten Bauabschnitt der Orangerie, mit Schloss- und Terrassengarten, mit Langstraße und barocker Amtsstraße enthält es besondere Schwergewichte. Die Stadt hofft, mit diesem Gebiet bald ins Förderprogramm „Historische Altstadt“ zu kommen. Die Signale, so Meysel, seien positiv.

Quelle: DIE RHEINPFALZ / Donnersberger Rundschau (19.10.2012)

 

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