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Presse | Weimar: Gentzsches Treppenhaus - Im sanften Schein

Weimar: Gentzsches Treppenhaus - Im sanften Schein

Renaissance des spektakulär-unspektakulären Treppenhauses im Stadtschloss
Die Faszination des Gentzschen Treppenhauses im Stadtschloss geht von seiner schlichten Schönheit aus. Diese strahlt es nach der vollendeten Sanierung wieder aus - und das Gemäuer liegt im sanften Schein der Nachmittagssonne.

Gentzsches_Treppenhaus_Treppe

Die Sanierung sollte behutsam sein, wollte das Treppenhaus nicht in etwas verwandeln, was es nicht ist oder war, sondern so wieder herstellen, wie es die Baukommission unter Goethe geplant und der Nachwelt hinterlassen hat. In schlichtem Weiß, durchbrochen u. a. von Cotto-Fliesen auf dem Boden und den zarten Marmorstrukturen der Stuckwände, kann die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten das Treppenhaus im Residenzschloss seit gestern der Öffentlichkeit präsentieren. Und dies so, wie es im unteren Bereich von Johann August Arens begonnen und 1802/03 von Heinrich Gentz vollendet worden war.

Die scheinbar so unspektakuläre Sanierung hat es in sich - nicht nur wegen der Kosten: Rund 1,3 Millionen Euro wurden aufgewendet, wobei der Bund und das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie jeweils 300 000 Euro bereitstellten. In sich aber vor allem wegen der vielen Tücken im Detail, die überwunden werden mussten. Ein großes Problem stellte die Wiederherstellung des so genannten Marmorinos an den Wänden dar. Nur der Stuttgarter Manfred Siller und seine Mitarbeiter vermochten es, die einst übliche, aber kurz darauf vergessene Technik in althergebrachter venezianischer Perfektion auszuführen (TA berichtete).

Gentzsches_Treppenhaus_Gang

Nach den unterschiedlich aussagekräftigen Befunden im Bodenbereich wurde dieser wieder hergestellt - mit ähnlichen Problemen: So werden die Fliesen im direkten Eingangsbereich, Cotto mit Schiefersplit, in Deutschland gar nicht mehr hergestellt und kamen aus Mantua. Der Bauexperte der Stiftung, Philipp Jung, hatte sie dort im Urlaub entdeckt und ein Musterstück mit nach Weimar gebracht. Unter der Schönheit des Sockels, der ohnehin für die Sanierung entfernt werden musste, sowie der Fliesen verbirgt sich modernste Technik: eine Wand- bzw. Bodenheizung. Mit einer Temperatur von 28 bzw. 25 Grad Celsius vertreiben sie - an der Wand permanent, auf dem Boden temporär - den größten Feind des klassizistischen Kleinodes: Das Kondenswasser, das sich angesichts der einfach verglasten Fenster bzw. historischen Türen sonst wieder so ausgebreitet hätte, dass erneut Schäden durch Feuchtigkeit aufgetreten wären.

In passendes Licht getaucht wird das Gemäuer, das gern als aufregendstes klassizistisches Raumkunstwerk in Deutschland bezeichnet wird, natürlich nicht von schnöden Lampen. Angesichts fehlender Rußpartikel an den Wänden gab es früher wohl frei stehende Kandelaber. In unzähligen Versuchen wurden die verschiedensten Beleuchtungsvarianten erprobt - und verworfen, weil sie z. B. ungewollte Schlagschatten warfen. Die Wahl fiel dann auf einen sanften Schein, der die Nachmittagssonne imitiert: Das Licht von vier draußen, direkt über dem Eingang angebrachten Leuchten wird von verstellbaren Spiegeln ins Treppenhaus geworfen [...]
Das noble Entree soll künftig jenes des gesamten Schlossmuseums werden. Dreierlei fehlt dort noch aus Geldgründen: Der Cateringbereich, Sanitärräume und das verglaste Tor zur Ilm.

Quelle: TA Weimar, Autor: Susanne Seide (21.10.2006)

 

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