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Presse | Freude in Erfurt: Jüdische Schätze bald Weltkulturerbe

Freude in Erfurt: Jüdische Schätze bald Weltkulturerbe

Die vielfältige jüdische Kultur in Erfurt könnte bald mit dem Titel Weltkulturerbe gewürdigt werden. Thüringen hat auch für die KZ-Gedenkstätte Buchenwald einen Antrag gestellt. Hoffnung auf den Titel kann sich auch das evangelische Augustinerkloster in Erfurt machen.

Erfurt. Freude in Erfurt: Die historisch unglaublich wertvollen Zeugnisse jüdischen Lebens in Erfurt werden frühestens 2020, spätestens aber 2022, auf der Weltkulturerbe-Liste der Unesco stehen. Davon ist auszugehen, nachdem der erste wichtige Sprung geschafft worden ist: Erfurt steht auf Platz sechs der neun Vorschläge umfassenden deutschen Liste für die Bewerbung um die Aufnahme in das Unesco-Weltkulturerbe.

"Das ist ein Riesenerfolg! Nachdem wir diese wichtige Hürde genommen haben, können wir hoffen, dass nach Erfurt kommt, was hierher gehört: Der Unesco-Welterbe-Titel für unser jüdisches Erbe", sagt Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD), kurz nachdem er von der Entscheidung der Kultusministerkonferenz erfahren hat. "Wir sind sehr stolz auf die jüdische Geschichte von Erfurt." Er dankte allen, die sich um die Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Erfurt verdient gemacht haben. Ihre Arbeit trage Früchte.

Die sanierte Westfassade


"Welterbe zu sein ist von unschätzbarem Wert"


Mit der Entscheidung ist sicher: Die Thüringer Landeshauptstadt darf sich offiziell mit ihrem jüdisch-mittelalterlichen Erbe rund um Alte Synagoge und Mikwe um den Titel "Unesco-Welterbe" bewerben. Eingereicht werden darf der Antrag bei der Unesco in Paris je nach Fortgang der Bewerbungen, die vor Erfurt an der Reihe sind, voraussichtlich im Jahr 2020 bis 2022. Der Erfurter Kulturdirektor Tobias J. Knoblich freut sich ebenfalls: "Damit ist der erste und wichtigste Schritt getan - wir dürfen uns offiziell bewerben. Wir freuen uns sehr über die hohe Ehre und das Vertrauen, das damit in uns gesetzt wurde - schließlich vertreten wir mit unserem Antrag ganz Deutschland." Kulturminister Christoph Matschie beglückwünschte die Stadt zu dem außerordentlichen Erfolg. "Welterbe zu sein ist von unschätzbarem Wert. Dass Thüringen bald eine weitere solche Stätte hat, zeigt: Unsere reiche Kulturlandschaft wird immer mehr zum Markenzeichen und Aushängeschild."

Bisher gehören aus Thüringen das klassische Weimar, die Bauhausstätten, die Wartburg sowie der Nationalpark Hainich zum Welterbe. Insgesamt hatten die Bundesländer 31 Anträge eingereicht. Der Beschluss der Kultusministerkonferenz fußt auf einer Empfehlung eines international besetzten Fachbeirats, die auch eine Reihenfolge für die Aufnahme auf die deutsche Vorschlagsliste enthält. Danach stehen die Zeugnisse jüdischer Geschichte in Erfurt auf Rang 6.

Auch für KZ-Gedenkstätte Buchenwald Antrag gestellt


Die Kultusministerkonferenz hat die Möglichkeit offen gelassen, dass sich Thüringen noch zu einem gemeinsamen Antrag mit Rheinland-Pfalz zusammenfindet. Das jüdische Erbe in den Städten Speyer, Worms und Mainz steht auf Platz 5. Matschie kündigte an, jetzt das Gespräch mit Rheinland-Pfalz zu suchen. "Ein Zusammengehen mit Speyer, Worms und Mainz ist ein Kann, kein Muss. Erfurt ist auch allein stark genug."

Thüringen hatte auch für die KZ-Gedenkstätte Buchenwald einen Antrag gestellt. Dieser erfüllt nach Ansicht der Kultusministerkonferenz alle Kriterien. Nach einem Beschluss des Welterbekomitees zu Auschwitz-Birkenau aus dem Jahr 1979 soll angesichts des unvorstellbaren Grauens in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten die KZ-Gedenkstätte Auschwitz als einzige derartige Stätte in der Welterbeliste eingetragen bleiben.

Allerdings gibt es für Buchenwald die Empfehlung zu prüfen, ob die Aufnahme der im KZ Buchenwald heimlich oder nach der Befreiung der Häftlinge angefertigten Bilder und Dokumente in das Programm des Weltdokumentenerbes aufgenommen werden können.

Hoffnung auf Weltkulturerbe auch beim Augustinerkloster
Hoffnung kann sich auch das evangelische Augustinerkloster in Erfurt machen, für das ein Erweiterungsantrag zu den auf der Erbeliste stehenden mitteldeutschen Luther-Stätten gestellt wurde. Der entsprechende Antrag läuft außerhalb des Verfahrens und kann bei der Unesco eingereicht werden, ohne auf das Kontingent eines Staates angerechnet zu werden. Bei Zustimmung der Unesco kann eine Eintragung des Augustinerklosters bereits im Jahr 2017 erfolgen.

Den Ausschlag für Erfurt hat die Einschätzung des von der Kultusministerkonferenz beauftragten Fachbeirats gegeben, dass die Zeugnisse der jüdischen Geschichte von außergewöhnlichem universellen Wert sind und gleichzeitig Stätten wie diese auf der Welterbeliste bisher unterrepräsentiert sind. Dies war bereits im Vorfeld ein wesentliches Argument für die Erfurter Bewerbung.

Die Alte Synagoge, der jüdische Goldschatz, die Mikwe und das Steinerne Haus in der Erfurter Altstadt sind einzigartige Zeugnisse einer reichen jüdischen Kultur, die bereits im 11. und 12. Jahrhundert in Erfurt in der Blüte stand. Die Synagoge wurde in jahrelanger Arbeit saniert und renoviert. Das Land unterstützte die Arbeiten mit 2,1 Millionen Euro. Die Erneuerung der Mikwe, des alten jüdischen Ritualbades, wurde mit 430 000 Euro gefördert.

Quelle: Thueringer Allgemeine (13.6.2014)

 

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