HAUS OLBRICH

UNESCO-Welterbe Mathildenhöhe Darmstadt

Denkmalgerechte Sanierung des ehemaligen Wohnhauses von Joseph Maria Olbrich aus dem Jahr 1901, Umbau und Modernisierung

Rechtzeitig vor der Ernennung der Künstlerkolonie Mathildenhöhe zum Unesco-Welterbe konnte die Sanierung von Haus Olbrich erfolgreich abgeschlossen werden. Der folgende Artikel ist anlässlich der Übergabe an den Nutzer im „Darmstädter Echo“ erschienen:

Platzgewinn für die Deutsche Akademie

Der Einzug ins sanierte Haus Olbrich ist der vorletzte Schritt der Darmstädter Kultur-Rochade

Von Johannes Breckner

DARMSTADT

Der neue Eingang ist er alte. Und das ist, von außen betrachtet, der größte Gewinn der Sanierung des Hauses Olbrich auf der Darmstädter Mathildenhöhe. Die Villa des Architekten und prominentesten Jugendstil-Vertreters war nach der Kriegszerstörung ohne das Obergeschoss wieder aufgebaut worden. Die Hintertür wurde zum verwunschenen Haupteingang, durch den seit 1980 ziemlich viele prominente Schriftsteller spazierten, um Karl Dedecius und das Deutsche Polen-Institut zu besuchen.

Der Umzug des Polen-Instituts und der Kauf eines weiteren repräsentativen Hauses fürs deutsche PEN-Zentrum machten den Weg frei zur großen Rochade einiger Darmstädter Kulturinstitute. Das Haus Olbrich ist nun zusätzlicher Sitz  der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Als es am Dienstag dem neuen Nutzer übergeben wurde, erinnerten Oberbürgermeister Jochen Partsch und Akademie-Generalsekretär Bernd Busch an den Ursprung dieses Umzugs. Frankfurt und Berlin hatten großzügige Angebote gemacht, um die Institution anzulocken.

Darmstadt konnte 2012 die Umzugs-Überlegungen abwenden, indem sie ihrerseits eine großzügige Lösung der Raumprobleme versprach. Die Akademie blieb, ,,eine gute Entscheidung“, sagt Busch nach dem Einzug. Die Ausweitung der Tätigkeiten und die damit einhergehende Personalaufstockung hatten den Sitz im Großen Glückerthaus zu klein werden lassen. Dessen grundlegende Sanierung soll bis Ende dieses Jahres abgeschlossen sein.

Dann stehen der Akademie zwei Häuser zur Verfügung, ins Große Glückerthaus kehrt auch der Deutsche Literaturfonds zurück, der für die Übergangszeit im Haus Behrens untergebracht ist. Busch kündigte ein „Zusammenspiel der hier benachbarten Einrichtungen aus Literatur, Musik, Design und bildender Kunst“ an.

Sanierung fördert Überraschungen zutage

Knapp zwei Jahre dauerte die 1,7 Millionen Euro teure, in vielen Sitzungen mit der Denkmalpflege abgestimmte Sanierung. Sie brachte etliche Überraschungen zum Vorschein wie originale Fliesen, die schon 1901 den Kellerboden geschützt und geschmückt hatten. Das Polen-Institut hatte hier Teile seiner Bibliothek untergebracht, die Akademie nutzt den Keller fürs Archiv.

Das ehemalige Kaminzimmer hat seinen Kamin verloren, könnte aber, wie schon zu Zeiten von Karl Dedecius, für Sitzungen und kleinere Veranstaltungen genutzt werden. An der Außenseite glänzt der blau-weiße Kachelfries, drinnen herrscht edles Grau zum schönen Parkett. Die Büros sind groß, die Ausstattung ist gediegen, der Ausblick so schön, wie es in Darmstadt nur die Mathildenhöhe bieten kann. Auch der wiederhergestellte Eingang durch die Loggia zum Ernst­Ludwig-Haus hin ist eine Pracht.

Der Architekt Hans Rittmannsperger, dessen Büro die Sanierung geleitet hatte, erläuterte noch einmal die in Darmstadt umstrittene Entscheidung, den ursprünglichen Zustand nicht zu rekonstruieren. Sie sei eng mit dem „Advisory Board“ für die Welterbe-Bewerbung abgestimmt und unter Fachleuten unstrittig. Auch die sichtbaren Zeichen des Wiederaufbaus nach dem zweiten Weltkrieg prägten das Bild der Stadt: ,,Diese Schicht ist wichtig zu erhalten.“

Darmstädter Echo 14.07.2021

FOTOS: Nikolaus Heiss, Darmstadt